Was war das denn eben, junge Dame?

Ich bin gerade beim Aufstehen aus dem Bett mit dem Fuß in der Bettdecke hängen geblieben und ganz fürchterlich auf die Fresse gefallen.

Es gibt so Momente im Leben, da wünscht man sich entweder, keiner hätte es gesehen oder aber man verflucht die Welt dafür, dass sie einen gerade nicht beobachten konnte. Weil solche Momente wie mein kläglicher Versuch, mich halbwegs elegant zu erheben, so verdammt menschlich sind und einem immer wieder beweisen, dass man nicht perfekt ist und genau das mit Humor nehmen sollte.

Wieso streben wir alle immer danach, perfekt zu sein? Wieso sich nicht selbst nehmen, wie man ist, mit Fehlern, Pickeln, unmöglichen Haaren oder nur kümmerlich ausgebildeten motorischen Fähigkeiten?

Immerhin sind wir alle in irgendwas ein bisschen schlecht oder einfach nur weniger begabt. Der eine kann nicht tanzen, der nächste nicht singen und ein paar wenige unter uns können nichtmal pfeifen! Aber wenn es nicht gerade genetisch bedingt ist, wie die gesellschaftlich unglaublich wichtige Fähigkeit, die Zunge zu rollen, dann gibt es keine Ausrede dafür. Du hast einen Fehler. Setzen, sechs.

Was ist so schlimm daran, wenn man nicht kochen kann, nicht malen, nicht Ski fahren. Oder nicht aufhören kann, sich zu beschweren, zu ehrgeizig ist, dauernd übertreibt, in sich selbst verliebt ist.
Oder zu dick, zu klein, zu laut, zu klug, zu doof, zu risikofreudig, zu schüchtern, zu was-auch-immer?

Manchmal hab ich es satt, dass von jedem einzelnen von uns so viel erwartet wird. In der Öffentlichkeit hat man nicht aufzufallen, oder man wird von allen Seiten doof angeschaut. Schon mal betrunken die Rolltreppe mit einer Flugzeug-Landebahn verwechselt? Oder eine Garageneinfahrt mit einer Toilette? Sowas wird heutzutage einfach nicht mehr akzeptiert, wenn man aus der Reihe tanzt.

Was ist so schlimm daran? Sind wir nicht eigentlich noch jung und dumm und dürfen wir das nicht? Ist nicht genau die Jugendzeit dazu da, Fehler zu machen? Und sogar wenn wir es gar nicht als Fehler sehen, weil wir in dem Moment Spaß an dem hatten, was wir taten, wieso wird es dann trotzdem als falsch und verpönt angesehen?
Ist jemand schon mal einem perfekten Menschen begegnet? Ich bezweifle das stark und sogar wenn man so jemanden trifft, ist es nicht wahrscheinlich unglaublich langweilig? Und man müsste sich doch viel kleiner und unbedeutender und noch viel grobmotorischer vorkommen, als man es eh schon tut, wenn einem jemand gegenübersteht, der alles kann und alles weiß.

Und trotzdem fällt es uns schwer, Fehler an anderen zu akzeptieren. Wir blenden einfach aus, dass wir selbst auch unsere Macken haben und wünschen uns nur, unser Gegenüber hätte dies und das nicht oder eben doch getan, gesagt oder was auch immer. Wenn das aber andersrum passiert, reagieren wir mit Unverständnis. Man selbst kann in solchen Situationen immer damit argumentieren, dass niemand perfekt ist, aber wir wollen das bei anderen nicht einsehen. Da denken wir hauptsächlich daran, was uns denn jetzt genau nicht passt und wo der Fehler liegt und dass man selbst diesen Fehler, hätte man ihn denn, ganz leicht ausbessern könnte. Was wohl mal überhaupt nicht der Fall ist.

Man kann nicht jeden, der irgendetwas an sich hat, das einem nicht passt, für immer verabscheuen und aus seinem Leben streichen. Damit würde man nämlich oft eine wahre Bereicherung für eben dieses Leben verpassen.

4. Oktober ’09 23:08


funzbabe




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