Internetsüchtling.

Also okay, ich weiß, dass meiner Mutter zuhause manchmal langweilig ist, seit sie ihren Job gekündigt hat. Aber was mir gar nicht gefällt: Ihre momentane Lieblingsbeschäftigung nennt sich anscheinend „wie quäle ich meine Tocher am schrecklichsten?“. Es reicht nicht, dass sie alle paar Minuten mit extrem unwichtigen Ansprachen in mein Zimmer platzt (gerade eben wieder: „Wer hat angerufen?“ – Mama, wir haben diese wahnsinnig hilfreiche Sache, die die Nummer aller Anrufer speichert…). Haha, wie ironisch. Ich schreibe das und schon wieder geht die Tür auf – ohne Anklopfen. Sie kommt also alle paar Minuten in mein Zimmer, aber das reicht ihr anscheinend nicht.

Nein, ich bin jetzt internetsüchtig. Ich! Wenn ich nach irgendwas süchtig bin, dann Bücher. Und Schokolade. Und Zigaretten (das muss eh anders werden!). Aber auf keinen Fall nach Internet. Was ist schon dabei, dass ich gerne surfe? Es ist ja nicht so, dass ich mich in meinem Zimmer vergrabe, alle Jalousien runterlasse und mich nicht mal mehr zum Essen blicken lasse. Nein, ich mache normalerweise alles im Haushalt, was von mir verlangt wird. Ich koche mittwoch abend, wenn meine Mutter beim Sport ist. Und ich putze jede Woche freiwillig mein Bad und mein Zimmer. Was ich alles nicht tun würde, wäre ich internetsüchtig.

Aber sie ist sich sicher. Weswegen ich gestern meinen ersten offiziellen „internet-freien Tag“ hatte. Das war zwar an sich nicht so schlimm, nur hat es den ganzen Tag geregnet und an Büchern war auch nichts mehr da, was ich nicht schon durch hätte (mehrmals). Vor Langeweile hab ich Muffins gebacken. Muffins über Muffins. Und noch mehr Muffins. Leider musste ich irgendwann aufhören, weil doch tatsächlich keine Eier mehr da waren. Dann bin ich vor dem TV versumpft, denn es hat ja immer noch geregnet.

Es ist übrigens auch nicht so, als würde ich irgendwas Schlimmes am PC veranstalten. Ich spiele keine Killerspiele oder verabrede mich heimlich in irgendwelchen Chats mit 30-jährigen. Ich rede mit Freunden. Ich könnte doch auch telefonieren, predigt Mutti immer. Also hab ich eben gestern ein wenig telefoniert – ein wenig viel sogar – um all das zu sagen, was wir normalerweise tippen. Und als hätten wir es nicht geahnt: Sie beschwerte sich. Dass ich so viel telefonieren würde und ob ich mal an die Rechnung gedacht hätte. Nein hatte ich nicht, immerhin hat sie mich quasi dazu verdammt, den ganzen Tag an der Strippe zu hängen.

Ich kann es ihr wirklich nicht recht machen. Ein gutes hat die Sache allerdings: Ich hab mir heut mindestens drei Küsse und hunderte Umarmungen eingefangen, als ich mit einer ganzen Tasche voller Muffins in die Klasse gekommen bin.

Over und out, jetzt muss ich noch ein wenig meiner Sucht frönen.

muffin

05. mai ’09  17:07


funzbabe




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