Ich erzähl euch mal ne Geschichte: Sechs Freunde, die ein bisschen feiern. Drei Doppelbetten. Und zumindest zwei Zimmer, in denen es in der Nacht zur Sache gehen wird. Sie kommen also vom See zurück, teilen die Betten ein und wie der Zufall es will, landen auch die beiden Hauptpersonen in einem Zimmer. Was dann passiert, ist zwar offensichtlich, aber im Prinzip für den weiteren Verlauf nicht wichtig.
Er fragt sie jedenfalls danach, ob sie nicht noch Lust hat, auf dem Balkon eine rauchen zu gehen. Sie sagt ja. Und irgendwie – wohl alkoholbedingt – glauben sie, sie müssten nackt rausgehen. Dem Nachbarn, der einmal rübergelurt hat, scheint es nicht sehr zu gefallen, jedenfalls lässt er sich danach nicht mehr blicken. Während sie also den frühen Vögeln bei der Wurmjagd und eindeutigen Geräuschen aus dem Nebenzimmer lauscht, kommt bei ihm plötzlich Hektik auf. Er springt ins Zimmer – das auf für sie unerklärliche weise auf einmal hell erleuchtet ist – mit den Worten „Fuck, wasn da los!“. Sie ist noch mit Grübeln beschäftigt, ob die Eltern vielleicht im Zimmer standen, als auf einmal ein Bündel brennender Klamotten vor ihre Füße fliegt. Und noch eins hinterher. Geschockt schaut sie, was er denn da macht. Dann sieht sie die Kerzen. Ja mist, die waren ja noch an.
Es folgen hektische Löschversuche, einige Flüche und Gejammer von ihr: „Er hasst uns. Er hasst uns so.“ Irgendwie kommen sie aus dem Lachen aber nicht mehr raus. Mittlerweile glüht alles nur noch, er ist mit Aufwischen beschäftigt und so fasst sie den Entschluss, es dem Besitzer des Zimmers sofort zu beichten. Also sobald die animalischen Laute aus dem Raum nebenan mal aufhören. Sie klopft und hört jemand grummeln, was sie als „Herein“ deutet. Unter Lachtränen erklärt sie ihm das Missgeschick.
Was sich ungefähr so anhört:
“Hey”
“Was!”
“Wir haben gerade fast dein Zimmer abgefackelt.”
“Aha?”
“Alles hat gebrannt! Es war so hart, ich hatte so Angst. Deine Klamotten sind verbrannt, es tut mir so Leid!”
“AHA?!”
“Ich geh jetz wieder.”
“JA!”
Wie vorauszusehen war, ist er nicht sehr begeistert.
Unsere Hauptpersonen sind dann noch eine Stunde mit Aufräumen, Rauch vertreiben, gegenseitigem Schuldzuschieben (sie einigen sich schließlich auf beiderseitige Dummheit) und weiterem Gejammer à la „Er tötet uns. Er wird uns so töten.“ beschäftigt, bevor sie um sechs Uhr morgens dann doch noch zum Schlafen kommen.
In der Form so passiert in der Nacht vom 8. auf den 9. August 2009. Ich kann aber bestätigen, dass niemand zu Schaden kam, weder während dem Feuer, noch am nächsten Morgen bei der Inspektion des Zimmerinhabers. Ich glaube, er hat ihnen fast schon verziehen. Und ein bisschen gelacht hat er auch.
