Drama, baby!

Ich wollte als ich jünger war immer Schauspielerin werden. In der 3. Klasse hab ich das erste mal auf der Bühne gestanden, in einem englischen Stück, das unsere Lehrerin geschrieben hatte. Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern, aber ich weiß, dass wir Kinder lauter Buchstaben in der Hand hatten, die zusammen ein Wort gebildet haben. Welches Wort? Keine Ahnung. Aber ich war das Ausrufezeichen hinter dem Wort. „exclamation mark“, wie es ja schön heißt. Und ich kann mich noch genau erinnern, dass ich damals die einzige war, die das aussprechen konnte. Trotzdem war ich total nervös, bis kurz bevor es losging. Mir war schlecht, ich hab gezittert und geschwitzt und dachte, ich könnte das nicht und würde mein Wort vergessen. Bis ich auf der Bühne stand. Auf einmal war alles da, ich war komplett ruhig und wusste genau, was zu tun war. Und ich habs auch getan. Ich war das süßeste Ausrufezeichen, das man sich nur vorstellen kann. Unser Bürgermeister saß in der ersten Reihe und hat sich vor Lachen kaum noch halten können, immer wenn ich „exclamation mark!“ gerufen habe. Ein Wahnsinnsgefühl, so im Mittelpunkt zu stehen. Und dann der Applaus. Unvorstellbar für mich, mit meinen damals 8 Jahren.

Ich hab das auch weiter verfolgt, war auf der Realschule im Theaterkurs aber irgendwie ist irgendwann der Enthusiasmus verflogen. Alle anderen waren so viel älter, seit Jahren dabei und so GUT. Und da hatte ich wahrscheinlich einfach Angst zu versagen. Jetzt bereue ich, dass ich aufgegeben habe, aber selbst wenn sich mir eine Chance bieten würde, ich wüsste gar nicht, ob ich da so einfach wieder reinfinden würde. Ich merks nur manchmal, beim Filmgucken, bei Rollenspielen (die immer von Lehrern erzwungen und von allen anderen doof gefunden werden) wies mir in den Fingern juckt, wieder Texte zu lernen, wieder auf der Bühne stehen, in eine andere Rolle schlüpfen, dabei alles vergessen .. einfach spielen! Irgendwo steckt in mir einfach die Theaterleidenschaft.

Aber alles was geblieben ist, ist die Fähigkeit, komplett ruhig zu sein, wenns drauf ankommt. Prüfungsangst beispielsweise, nie gehört. Am Tag davor aufgeregt, aber wenns los geht, bin ich voll da.

Ich hab aber einen Ersatz gefunden. Obwohl Ersatz nicht das richtige Wort ist, eigentlich ist es ganz was anderes, aber irgendwie gibt’s doch Gemeinsamkeiten. Ich rede vom Modeln. Für Fotos. Und natürlich wenig professionell, mehr als Aushilfsmodell für meine Beste, die ja Fotografin ist. Aber es macht einfach Spaß und ist auf ganz andere Weise anspruchsvoll, als das Schauspielern. Deswegen werd ich auch so lang dabeibleiben, wie man mich noch gebrauchen kann :D.


funzbabe




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